Den Sternen so nah – Wenn Liebe alles Überwinden kann

Den Sternen so nah

Wen Liebe jede Entfernung überwinden kann dann sind wir den Sternen so nah.

Den Sternen so nah oder der passendere Titel in Englisch “The Space Between Us” wartet mit einer spannenden Science-Fiction-Prämisse auf, schrammt dabei jedoch nur knapp an einer klischeebehafteten Teeniromanze vorbei.
Der 16-jährige Gardener (Asa Butterfield) kam während einer Mars-Expedition als Sohn der Astronautin Sarah Elliot (Janet Montgomery) zur Welt und hat sein gesamtes Leben auf dem roten Planeten verbracht. Seine Mutter merkte erst auf dem Weg zum Mars dass sie schwanger ist. Aus Gründen die uns am besten Nathaniel Shepherd (Gary Oldman) erläutern kann muss seine Existenz ein Geheimnis bleiben.

Gary Oldman  spielt den Technik-Guru Shepherd, der offensichtlich an den Tesla-Chef Elon Musk angelehnt ist, als charismatischen Menschenfänger mit viel Geschäftssinn, extremem Sendungsbewusstsein und noch mehr Ego. Hinter dem ganzen Brimborium lässt er zugleich eine verirrte Seele erahnen, die erst in einer buchstäblich abgehobenen Szene gegen Ende ihren ganzen Ballast abwerfen kann. Davor dient Shepherd nebenbei als eine Art Erkläronkel: Er demonstriert uns, warum ein menschliches Kind, das schon als Fötus zu Beginn der Schwangerschaft die Erdatmosphäre verlässt, auf unserem Planeten im Prinzip nicht überleben kann.
Gardners soziale Kontakte beschränken sich daher auf ein paar Wissenschaftler der Mars-Station sowie einen vorlauten Roboter. Doch der hochintelligente, pubertierende und sozial unbeholfene Teenie unterhält heimlich einen Chat mit der rebellischen und impulsiven Tulsa (Britt Robertson). Nicht nur wegen Ihr will Gardner auf die Erde, er will auch seinen Vater finden.

Doch es gibt da ein kleines Problem: Da Gardener auf dem Mars in der geringeren Schwerkraft aufgewachsen ist, befürchten die Ärzte der Raumfahrtbehörde, dass sein Körper der Erdatmosphäre nicht gewachsen sein könnte – in anderen Worten: er könnte sterben. Sein Herz ist zu groß und zu schwach, seine Knochen zu zerbrechlich. Nach mehreren Operationen wird es ihm nun doch gestattet auf die Erde zu reisen. Doch dort soll Gardner vorerst in Quarantäne weitere Untersuchungen über sich ergehen lassen. Das interessiert Gardener allerdings nicht, der sich aus der Quarantäne befreit, um mit Tulsa durch zu brennen.

Trotz der weit hergeholten Geschichte entpuppt sich das Jugenddrama in vielen Momenten als intelligent. In wuchtigen Bildern und mit majestätischen Sounds entwirft Chelsom die Metapher eines gigantischen Lebenshungers. Der Himmel, das Meer, der Highway – dazu der Weltraum und Gardners große runde Augen, mit denen er die Erde anstarrt wie ein Weltwunder, was sie ja schließlich auch ist. Obwohl er immer wieder haarscharf am Kitsch vorbeidriftet, gelingt es dem Regisseur, einen Nerv zu treffen. Er erzählt von der Sehnsucht des Menschen, dazuzugehören und endlich selbstbestimmt zu leben. Das gilt für Gardner ebenso wie für Tulsa. Auf einem ausgelassenen Roadtrip durch den US-amerikanischen Westen geben sie einander Kraft.

Natürlich bedient sich Den Sternen so nah immer wieder altbekannte Bilder. So fliehen die Jugendlichen im klapprigen Doppeldecker-Flugzeug in einen azurblauen Himmel. Dann knacken sie ein Auto und genießen bei offenem Fenster die freiheitlichen Weiten der US-Highways. Das stört jedoch nicht weiter. Doch dann wird es ärgerlich: Kurz bevor sie sich verlieben, wechseln Tulsa und Gardner noch schnell die Klamotten, damit das Mädchen auch aussieht wie ein Mädchen und der Junge nicht wie ein Nerd. Das ist schade, denn so verkommt das Außenseiter Thema zur bloßen Fassade der ersten 30 Minuten. Hätten Chelsom und sein Drehbuchautor Allan Loeb etwas mehr gewagt, könnte der Film richtig Spaß machen. Die Schauspieler jedenfalls sind gut. Neben dem routinierten Gary Oldman fallen vor allem die Jungdarsteller positiv auf.

 

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